Die vollständige Referenz listet alle 28 Fragetypen auf. Dieser Artikel bewertet sie – aus der Perspektive von jemandem der seit Jahren LimeSurvey-Umfragen entwickelt, pflegt und erweitert.
Die Frage ist nicht: Was kann dieser Typ? Die Frage ist: Wann ist er wirklich der richtige Ansatz?
Die unverzichtbaren Typen
Das sind die Typen die in der Praxis fast immer ausreichen – und die man wirklich verstehen muss.
Liste (Radio) · L
Der vielseitigste Einzelfragentyp. Vollständig konfigurierbare Antwortoptionen, optionale „Sonstige"-Option, gut für jede Einfachauswahl geeignet.
Wer L beherrscht – inklusive Relevanz-Bedingungen und Antwortcodes – hat das wichtigste Werkzeug in der Hand. Fast jede Einfachauswahl lässt sich damit abbilden.
Wann: Immer wenn eine Frage genau eine Antwort erwartet und die Optionen klar definiert sind.
Liste (Dropdown) · !
Identisch zu L – nur als Dropdown dargestellt. Sinnvoll bei langen Listen oder auf mobilen Geräten wo Radiobuttons unübersichtlich werden.
Wann: Länder, Branchen, Jahre – überall wo die Auswahlliste lang ist.
Liste mit Kommentar · O
Einfachauswahl mit einem Pflicht- oder optionalen Freitextfeld darunter. Zwei Datenbankfelder: die gewählte Option und der Kommentar.
In der Praxis unterschätzt. Wer wissen will warum jemand eine bestimmte Option gewählt hat, braucht genau diesen Typ.
Wann: Auswahl mit Begründung – „Warum haben Sie sich für diese Option entschieden?"
Multiple Choice · M
Mehrfachauswahl mit Checkboxen. Jede Subfrage ist eine eigenständige Checkbox, jede belegt ein eigenes Datenbankfeld. Optionale „Sonstige"-Option.
Wann: Mehrere Eigenschaften, mehrere Kanäle, mehrere Gründe – überall wo mehr als eine Antwort möglich ist.
Multiple Choice mit Kommentaren · P
Die mächtigste Variante der Mehrfachauswahl. Jede Checkbox hat ein eigenes Kommentarfeld – und die optionale „Sonstige"-Option bringt zusätzlich ein Freitextfeld mit.
Das ist mehr als ein Komfort-Feature. Es erlaubt differenzierte Antworten: nicht nur „was trifft zu", sondern „was trifft zu und warum".
Wann: Immer wenn Mehrfachauswahl allein nicht ausreicht – wenn die Begründung genauso wichtig ist wie die Auswahl.
Matrix · F
Das Arbeitspferd unter den Matrix-Typen. Subfragen als Zeilen, Antwortoptionen als Spalten – beides vollständig konfigurierbar. Damit lässt sich jede Likert-Skala, jede Bewertungsmatrix und jede tabellarische Frage abbilden.
Wichtig: Die Antwortoptionen gelten für alle Subfragen gleichzeitig. Wer unterschiedliche Skalen pro Zeile braucht, muss mehrere Fragen anlegen.
Wann: Bewertung mehrerer Aspekte auf einer gemeinsamen Skala – Zufriedenheit, Wichtigkeit, Häufigkeit.
Ranking · R
Antwortoptionen werden in eine Reihenfolge gebracht. Belegt eine Datenbankstelle pro Rangposition.
In Umfragen zur Prioritätensetzung kaum ersetzbar – keine andere Frage erzwingt eine vollständige Ordnung.
Wann: Prioritäten, Präferenzen, Wichtigkeitsreihenfolgen.
Kurztext · S
Einzeiliges Textfeld. Einfach, zuverlässig, klar.
Wann: Name, E-Mail, Stadt, Stichwort – überall wo eine kurze, strukturierte Eingabe erwartet wird.
Langer Freitext · T
Mehrzeiliges Textfeld für ausführliche Antworten.
Wann: Feedback, Begründungen, Beschreibungen – überall wo Raum für vollständige Gedanken gebraucht wird.
Multiple Kurztext · Q
Mehrere einzeilige Textfelder mit Labels. Für zusammengehörige, strukturell gleichartige Eingaben in einer Frage.
Wann: Adressfelder, Angaben zu mehreren Personen, strukturierte Mehrfacheingaben. Besser als mehrere separate S-Fragen wenn die Felder inhaltlich zusammengehören.
Datei-Upload · ^
Ermöglicht das Hochladen einer oder mehrerer Dateien. Speichert Metadaten als JSON und die Dateianzahl.
In spezifischen Anwendungsfällen unverzichtbar – und nicht durch andere Typen ersetzbar.
Wann: Bewerbungsformulare, Schadensmeldungen, technische Dokumentation – überall wo Dateien Teil der Antwort sind.
Die vermeidbaren Typen
Das sind Typen die in der Praxis kaum zum Einsatz kommen – weil ein anderer Typ flexibler, wartbarer oder einfach besser geeignet ist.
Das gemeinsame Muster: fest eingebackene Antwortoptionen. LimeSurvey hat für viele Standardfälle einen eigenen Typ gebaut, statt einen flexiblen Typ mit konfigurierbaren Optionen anzubieten. Das Ergebnis sind Typen die genau einen Anwendungsfall abdecken – und sobald sich die Anforderungen leicht verschieben, im Weg stehen.
5-Punkte-Auswahl · 5
Fest eingebaute Skala von 1 bis 5. Was dieser Typ bietet, was L nicht kann: alternative Darstellungsformen. Per Attribut lässt sich die Skala als Sternchen-Rating, Smiley-Rating oder Slider darstellen. Das ist ein echter Unterschied – kein anderer Typ bietet diese visuellen Varianten.
Die Einschränkung bleibt: keine konfigurierbaren Labels, keine andere Skalierung, keine „Sonstige"-Option. Wer eine Likert-Skala mit eigenen Beschriftungen braucht, greift zu L. Wer eine schnelle, visuell ansprechende Bewertung will und mit 1–5 auskommt, hat mit 5 eine legitime Wahl.
Besser wenn: Labels wichtig sind oder die Skala von 5 Punkten abweicht → L. Wenn Sternen- oder Smiley-Darstellung gewünscht ist → 5 ist der einzige Typ der das bietet.
Geschlecht · G
Zwei fest codierte Optionen: Männlich / Weiblich. Keine dritte Option, keine Anpassung, keine Lokalisierung der Labels über die Standard-Übersetzungen hinaus.
In einer Zeit wo demographische Erhebungen differenzierter werden, ist ein Typ der genau zwei Optionen kennt strukturell veraltet.
Besser: L mit konfigurierbaren Optionen – dann passt die Frage zu den tatsächlichen Anforderungen.
Riesiger Freitext · U
Identisch zu T – kein struktureller Unterschied, kein anderer Datenbanktyp. Der einzige Unterschied ist die Standardgröße des Textfeldes im Frontend.
Besser: T mit angepasster CSS-Höhe oder Attribut-Konfiguration.
Matrix 5 Punkte · B und Matrix 10 Punkte · A
Matrizen mit fest eingebauter 1–5- bzw. 1–10-Skala. Keine konfigurierbaren Labels, keine andere Skalierung.
F mit fünf oder zehn konfigurierten Antwortoptionen ist identisch in der Funktion – aber flexibel in der Beschriftung. Wer heute „1–5" braucht und morgen „Nie–Immer", muss bei B die Frage neu anlegen. Bei F ändert er die Antwortoptionen.
Besser: F mit konfigurierten Antwortoptionen.
Matrix (Ja/Nein/Unsicher) · C
Matrix mit drei fest codierten Spalten. Klingt spezifisch – ist aber einfach F mit drei fest eingebauten Optionen.
Besser: F mit drei konfigurierten Antwortoptionen.
Matrix (Zunahme/Gleich/Abnahme) · E
Identisch zum Muster von C – drei fest codierte Spalten für einen sehr spezifischen Anwendungsfall.
Besser: F mit drei konfigurierten Antwortoptionen.
Matrix (nach Spalte) · H
Strukturell identisch zu F – nur transponiert dargestellt. In der Praxis kaum verwendet, weil die normale Matrix-Darstellung in fast allen Fällen intuitiver ist.
Besser: F – und wenn die Darstellung wirklich ein Problem ist, ist CSS die sauberere Lösung als ein eigener Fragetyp.
Matrix (Text) · ;
Jede Zelle enthält ein Freitextfeld. Das klingt mächtig – ist in der Praxis aber selten der richtige Ansatz. Die Tabellenstruktur ist fest vorgegeben: wer Zeilen oder Spalten hinzufügen will, muss die Frage neu konfigurieren. Für wirklich flexible tabellarische Eingaben ist eine separate Frage pro Zeile oft wartbarer.
Dazu kommt: n×m Datenbankfelder für eine einzelne Frage sind ein erheblicher Overhead.
Wann trotzdem: Wenn die Tabellenstruktur wirklich fest ist und sich nicht ändern wird.
Das Muster dahinter
Wer die vermeidbaren Typen nebeneinander betrachtet, sieht dasselbe Muster überall:
LimeSurvey hat für jeden denkbaren Standardfall einen eigenen Typ gebaut. B für 5-Punkte, A für 10-Punkte, C für Ja/Nein/Unsicher, E für Zunahme/Gleich/Abnahme – jeder dieser Typen ist F mit fest eingebauten Antwortoptionen.
Das ist kein Designfehler, sondern eine historische Entscheidung. In der frühen Entwicklungsphase war ein eigener Typ pro Anwendungsfall einfacher zu implementieren als ein wirklich flexibles Konfigurationsmodell. Das Ergebnis ist eine Typenliste die mehr Einträge hat als nötig – und Umfrage-Designer die zwischen ähnlich klingenden Typen wählen müssen ohne zu wissen warum.
Die Empfehlung ist einfach: F mit konfigurierten Antwortoptionen deckt den Großteil aller Matrix-Anforderungen ab. Die spezialisierten Varianten braucht man selten.
Die vollständige Referenz aller 28 Fragetypen mit internem Kürzel und Datenbankstruktur: LimeSurvey Fragetypen – die vollständige Referenz