Was ich nicht mehr tue
Ich schreibe heute kaum noch Code. Nicht weil ich es nicht kann – sondern weil die KI schneller, konsistenter und ohne die kleinen Flüchtigkeitsfehler arbeitet, die sich in langen Arbeitstagen einschleichen.
Ich tippe keine Boilerplate mehr, keine Konstruktoren, Getter oder wiederholenden Strukturen.
Das klingt nach Verlust. Ist es aber nicht. Das Handwerk war nie der interessante Teil. Wertvoll war immer das Verstehen des Problems und das Urteil über die Lösung – alles, was der KI nicht abgenommen werden kann.
Was ich stattdessen tue
1. Exploration
Ich beginne mit einem Problem – klar formuliert oder noch diffus – und erkläre es der KI. Nicht um eine Antwort zu bekommen, sondern um ein gemeinsames Verständnis herzustellen.
Das zwingt zur Präzision: Die KI arbeitet nur mit dem, was da steht – nicht mit dem, was gemeint war.
2. Validierung
Bevor die KI weiterarbeitet, lasse ich sie zusammenfassen, was sie verstanden hat. Zwei Minuten Aufwand – und manchmal zwei Stunden Arbeit gespart.
3. Planung
Aus dem gemeinsamen Verständnis entsteht ein Plan: Anforderungen, Struktur, Reihenfolge, Aufwand. Die KI unterstützt dabei, aber ich entscheide, was passt. Ich erkenne, wenn ein Vorschlag korrekt, aber praktisch falsch ist, weil er die Realität des Systems nicht kennt.
4. Umsetzung
Die KI schreibt den Code. Ich lese ihn, teste ihn, hinterfrage kritische Stellen. Mein Urteil kommt aus Erfahrung – zwanzig Jahren funktionierender und gescheiterter Systeme. Das ist nicht delegierbar.
Was das bedeutet
Am Ende habe ich funktionierenden, getesteten Code. Ich habe ihn nicht geschrieben – ich habe ihn verantwortet.
Die KI kennt keine Systemhistorie, keine impliziten Anforderungen, keine politischen Realitäten. Sie optimiert für das, was gefragt wurde – nicht für das, was gebraucht wird. Das zu unterscheiden ist die Arbeit.
Ich bin kein klassischer Programmierer mehr. Ich verstehe Probleme, bewerte Lösungen, treffe Entscheidungen. Die KI ist das Werkzeug, mit dem diese Entscheidungen umgesetzt werden – schneller und zuverlässiger als ich es alleine könnte.
Vielleicht braucht diese Rolle keinen Namen. Vielleicht ist sie einfach das, was Software-Entwicklung immer war: Denken statt Tippen.